Am vergangenen Wochenende fanden vom 11. bis 13. September 2009 die diesjährigen Obertontage in Dresden statt. Damit profilierte sich die Stadt Dresden wieder einmal in vorzüglicherweise Weise in der Obertonmusik Kulturlandschaft. Ein großes Danke Schön an die „Kulturstiftung des Freistaates Sachsen“ und an die Stadt Dresden, dass sie diese Veranstaltung gefördert haben. Tausenddank an die Organisatoren dieser Obertontage, diese Tage überhaupt erst zu ermöglichen. Nahezu alle Veranstaltungen waren ausverkauft und mehr noch, diese Tage boten ein berauschendes Highlight nach dem anderen. Die Obertontage wurden ihrem Namen vollends gerecht: Ein LauschRausch Festival aller erster Güte. Den Auftakt boten die Dresdner Obertonenthusiasten – zweifelsohne »ein Kind« der Dresdner Obertontage. Durch die zurückliegenden Obertontage motiviert und animiert, treffen sich regelmäßig Sängerinnen und Sänger in Dresden zum freien, improvisierenden Obertongesang.

Dresdner Obertonenthusiasten

Es war beeindruckend mit welcher Leichtigkeit diese Obertonenthusiasten ihre Performance vortrugen. Nach dieser Darbietung folgten The Blechner, die unter dem Motto antreten: »blech blasen – stahl streichen – herz klopfen« – Das Duo mit Bertram Quosdorf und Jan Heinke begeisterte durch ihre Musik, die den Begriff Weltmusik quasi aus dem Blickwinkel eines Handicaps betrachtet.

In großartiger Manier stellten sich die beiden Musiker der Herausforderung, gänzlich neue Gewänder für bekannte Stücke zu schneidern. Mit Neugier und Humor arrangierten sie so bekannte Melodien und Kompositionen völlig neu – immer auf der Suche nach weiteren unentdeckten Seiten bekannter Stücke oder Klänge. Spannend wurde es, als Jan Heinke ein Stück des Komponisten Michael Edward Edgerton uraufführte. Eigens für diese Obertontage komponiert – der Sächsischen Kulturstiftung sei dank – wurde den Zuhörerinnen und Zuhörer ein beeindruckendes, zeitgenössisches Gesangssolostück geboten, jenseits jeglicher Gesangsgewohnheiten. Das Publikum bedachte dieses mit einem tosenden Applaus.

Traditioneller ging es am Freitagabend mit dem zweiten Konzert der Dresdner Obertontage zu – traditioneller insofern, dass Hosoo seit den ersten Obertontagen Gast in der Yenidze ist. Das Publikum war also gefasst auf das, was Hosoo & Transmongolia präsentieren würde.

Hosoo & Transmongolia

Doch Hosoo trumpfte mit einer neuen Besetzung und einem völlig neuen Programm auf. Hosoo und Transmongolia entrückten das Publikum mit ihren Stimmen und Instrumenten in einen wahren LauschRausch und jede und jeder musste sich in die Höhen des Altai und den Weiten Gobis und sowie der Steppe der Mongolei versetzt fühlen. Berauschend war jeder einzelne Ton dieser fantastischen Ausnahmemusiker. Selbstredend, dass der Saal unter der Kuppel der Yenidze bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Etwas völlig Neues auf den Obertontagen gab es am Samstagabend vor dem traditionellen LauschRausch Konzert zu hören. Äija aus Finnland, vier Sänger, die sich dem polyphonen a cappela Gesang verschrieben haben.

Äjjä

Diese vier Herren aus Finnland bereisendie Welt, immer auf der Suche nach Liedern verschiedenster Sprachen und Gesangsstile. Songs aus Sardinien, Russland, dem Süden Tuva‘s, der USA, Estland und weiteren Gegenden gehören zu ihrem Repertoire und fügen sich in ihren Konzerten mühelos zu einem eigenwilligen, kontrastreichen Klangmosaik. So auch am Samstagabend unter der Kuppel der Yenidze. Das Quartett musste mehrmals Zugaben geben, bevor es vom Publikum dankbar entlassen wurde. Die Videoaufnahme ist keinesfalls repräsentiv für die Musik von Äijä – ihr a capella Gesang ist wesentlich vielfältiger als dies diese Aufnahme wiedergegeben kann. Das ihre 2008 erschienene CD „Jet-Black“ für den diesjährigen Finnischen Grammy nominiert ist, beweist, dass der Veranstalter sich glücklich schätzen konnte, Äijä für die diesjährigen Obertontage als einer der Top Acts zu gewinnen.

DER „LAUSCHRAUSCH“ ABEND

Wie jedes Jahr bildet das Aufeinandertreffen aller Beteiligten den Höhepunkt des Festivals. Spannend und überraschend für Zuhörer und Musiker gleichermaßen entsteht Musik im Augenblick aus der Kommunikation verschiedener Kulturen und Traditionen. Alle teilnehmenden Musikerinnen und Musiker boten ein abwechslungsreiches Programm. Mit dabei waren die Dresdner Obertonentusiasten (Deutschland) – Äijä (Finnland) – Hosoo & Transmongolia (Mongolei / Bremen) sowie Jan Heinke und Bertram Quosdorf (Deutschland) und – was besonders zu erwähnen ist: Egschiglen (Mongolei / Nürnberg) – die erst am Abend drauf im Rahmen einer gemeinsamen Produktion von „Musik zwischen den Welten“ und den „1001 Märchen“ ein großartiges Konzert in der „Dreikönigskirche“ in der Dresdener Neustadt boten. Dieser LauschRausch Abend – besser diese LauschRausch Nacht unter dem Kuppeldach der Yenidze war in vielerlei Sicht einmalig. Zwei großartige mongolische Ensemble, die zusammen auf der Bühne harmonierten, deren beiden Kehlsänger dem Publikum mitunter nach mongolischer Weise einen Sängerwettstreit boten, Jan Heinke, der seinen bombastischen, fünf Meter hohen Stahlgong im Einklang mit den vier Kerlen von Äijä aus Finnland zum Erklingen brachte.

Egschiglen in der Yenidze

Die Obertontage fanden diesmal in der Dreikönigskirche mit Egschiglen einen gelungenen Abschluss – doch sie werden voraussichtlich 2010 fortgesetzt. – der nächste Termin wird dann vom 10. bis 12. September sein.

Fotos und Text © Jens Mügge

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